Betriebsklima-Untersuchung

Betriebsklima-Untersuchung in der pro familia - was soll das denn?

Im Sommer 2004 haben 12 Beratungsstellen der pro familia Baden-Württemberg an einer Untersuchung ihres "Betriebsklimas" teilgenommen - ein sicherlich ungewöhnliches Projekt für Beratungsstellen!

Was war die Idee hinter dieser Untersuchung? Immer wieder haben einzelne Beratungsstellen in Baden-Württemberg Organisationsberater damit beauftragt, zusammen mit den MitarbeiterInnen die Abläufe in den Stellen zu verbessern und auf diese Weise die "Organisation zu entwickeln". Pro familia Heidelberg hatte hingegen nach Methoden gesucht, mit einfacheren Mitteln eine "Organisations-Diagnose" zu erstellen, die zudem in ihrem Ansatz mit den Werten der pro familia kompatibel sein sollte. Hierbei stießen wir auf die Arbeiten von Lutz von Rosenstiel, der in unterschiedlichen Organisationen (Industrie, Dienstleistungsgewerbe usw.) das Betriebsklima erhoben hat. Sein Konzept stellt die Qualität der Zusammenarbeit in der Organisation in den Vordergrund (und nicht z.B. die Arbeitszufriedenheit des Einzelnen). Dieser Ansatz passt auch für unsere Beratungsstellen: je besser die Zusammenarbeit, um so weniger sind die MitarbeiterInnen mit internen Konflikten beschäftigt und um so freier sind sie darin, ihre Arbeit zu tun.

Im Laufe des Jahres 2003 warben wir in unterschiedlichen Gremien des Landesverbandes darum, eine solche Untersuchung gemeinsam anzugehen: Da Vergleichbares bisher noch nicht im Sozialbereich durchgeführt worden ist, sollten so Durchschnittswerte gebildet werden, mit denen dann die einzelenn Stellen ihre eigenen Werte vergleichen könnten. Wichtigste Kriterien für die Durchführung waren, dass

  • die Werte jeder Stelle nur dieser selbst zugänglich sein sollten
  • die Teilnahme für jeden Mitarbeiter/jede Mitarbeiterin freiwillig sein sollte
  • jeder Fragebogen-Beantworter in seiner Anonymität geschützt sein sollte.

In einem mehrmonatigem Diskussions-Prozess entschieden sich 12 Beratungsstellen zur Teilnahme (Böblingen, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Pforzheim, Reutlingen, Schwäbisch-Hall, Singen, Tübingen, Waiblingen). Als Durchführender konnte Dr.Ralf Stegmaier von der Arbeitseinheit Arbeits-und Organisationspsychologie des Psychologischen Instituts der Universität Heidelberg gewonnen werden. Zusammen mit einer diplomierten Tutorin entwickelten vier Studentinnen der Psychologie das gesamte Vorgehen.

In enger Abstimmung mit den teilnehmenden Stellen wurden die Fragebereiche bestimmt, die Sprache der Fragen entwickelt und das Anonymisierungs- und Versendeverfahren konstruiert. Am Ende stand ein Fragebogen mit insgesamt 48 Fragen zu folgenden Bereichen:

  • Arbeitsklima (z.B. "Bei uns legt man Wert darauf, dass die MitarbeiterInnen gerne hier arbeiten."
  • Koordination und Zusammenarbeit (z.B. "Bei uns schotten sich die einzelnen Bereiche und Gruppen innerhalb der Stelle voneinander ab.")
  • Kollegialität
  • Geschäftsführung/Leitung (z.B. "Gute Arbeit wird von unserer Geschäftsführung/Leitung entsprechend anerkannt."
  • Aufgabenmerkmale
  • Information und Mitsprache (z.B. "Die Geschäftsführung/Leitung ist bereit, die Ideen und Vorschläge der MitarbeiterInnen zu berücksichtigen.")

Die Rücklaufquote der Fragebögen war "enorm": 90 Prozent der angeschriebenen MitarbeiterInnen schickten ihre Bögen zurück, so dass die Gesamtergebnisse verlässlich die Sichtweise der MitarbeiterInnen abbilden. Nach der Auswertung stellten die Durchführenden in einer Präsentation die Durchschnittswerte der teilnehmenden 12 Stellen dar und bewerteten sie (z.B. "Das Arbeitsklima ist super", "Die Aufgabenmerkmale sind sehr klar definiert und aufgeteilt"). In einem zweiten Schritt bekam jede Stelle ihre eigenen Werte auf CD zugesandt, so dass die Teams die jeweiligen Fragen- und Bereichswerte mit den Durchschnittswerten vergleichen und bewerten können. Aus dieser Diskussion können dann wiederum Entwicklungsziele für die nächsten Jahre abgeleitet werden.

Beim Treffen der LeiterInnen der teilnehmenden Stellen wurde als Fazit gezogen: alle Beteiligte (und eben auch die LeiterInnen) haben sich in diesem Prozess sicher und geschützt gefühlt. Dies war eine gute Voraussetzung für eine offene Diskussion der Ergebnisse in den Teams - auch und gerade, wenn die Werte der jeweiligen Stelle unter den Durchschnittswerten lagen.